Entspannung -
Grundlagen, Aufbau & Konditionierung
von Dr. Ute Blaschke-Berthold

Entspannung ist das Gegenstück von Erregung. Entspannung bedeutet, das Niveau der Erregung zu senken. Erregung und Entspannung sind gegenläufige Prozesse, die im Gehirn entstehen und gesteuert werden. Beide beeinflussen die Reaktion auf Umweltreize und das daraus resultierende Verhalten.
Nahezu jedes Hundeverhalten, welches aus der Menschenperspektive als "problematisch" betrachtet wird, lässt sich auf ein zu hohes Erregungsniveau zurückzuführen. Die emotionalen Reaktionen Angst und Aggression z.B. fallen umso stärker aus, je höher das Niveau der Erregung in dem jeweiligen Moment ist. Das ist der Grund, weshalb die Beeinflussung der Erregung zu den Grundlagen der Veränderung problematischen Verhaltens gehört.
Manchmal haben wir viel Zeit, uns gemeinsam mit unserem Hund zu entspannen. Ein anderes Mal aber bräuchten wir die Möglichkeit, den Hund blitzschnell von der Palme herunterzuholen, auf den ihn Umweltreize gebracht haben. Diese Reize können vom Hund als Bedrohung wahrgenommen werden oder aber es ist der Anblick eines Lieblingsspielzeuges, eines Hasen oder der Hundegruppe. Übererregung kann in allen möglichen Situationen auftreten und wir benötigen ein Werkzeug, das möglichst einfach in all diesen verschiedenen Situationen gezielt von uns eingesetzt werden kann.
Erregung und Entspannung sind Funktionen des Gehirns. Für das Verständnis der konditionierten Entspannung spielt eine Struktur im Hirnstamm eine besondere Rolle: Formatio reticularis. Dies ist ein komplexes Netzwerk von Neuronen und Fasern; es enthält Informationen aus vielen verschiedenen Gehirnbereichen und vermittelt verschiedene Funktionen wie die Regulation von Aktivität und Aufmerksamkeit. Ein Teil der Formatio reticularis kann als Schalter zwischen zwei verschiedenen Zuständen betrachtet werden. Es gibt den „denkenden Zustand“, in dem das Tier bewusst nach Lösungsmöglichkeiten sucht und den „reflexiven Zustand“. Dieser ist gekennzeichnet durch den Ablauf von automatischen Reaktionen, die nur schwer willentlich beeinflusst und von aussen gestoppt werden können, wie z.B. Flüchten oder Attackieren.
Für uns ist es wesentlich, einen Hund möglichst oft und lange im „denkenden Zustand“ zu halten. Allerdings ist das Gehirn darauf eingerichtet, bei steigendem Erregungsniveau vom „denkenden Zustand“ in den „reflexiven Zustand“ zu wechseln; dieser Wechsel wird von der Formatio reticularis gesteuert. Unser Ziel ist es also, überhaupt zu verhindern, dass der Schalter kippt und unser Hund in den reflexiven Zustand gerät. Oder aber wir sollten den Schalter so schnell wie möglich betätigen, um den reflexiven Zustand zu beenden. Dabei hilft uns ein Hormon.
Zur Person
Dr. rer. nat. Ute Blaschke-Berthold, Dipl. Biologin ist Trainerin und Verhaltenstherapeutin: "Gut informierte und sinnvoll trainierte Hundebesitzer sind die beste Vorbeugung gegen unangepasstes Verhalten bei Hunden." Nach ihrer Promotion widmete sie sich voll und ganz der angewandten Verhaltensforschung und ihren Favoriten, den Haushunden und gründete die Kyno-Praxis für Verhaltenstherapie und die Hundeschule CumCane®

Mit freundlicher Genehmigung des Clicker Magazins. Das Clicker Magazin ist das erste deutschsprachige Magazin rund um die Faszination Clickertraining. Es wird 6 Mal pro Jahr in – vorerst – elektronischer Form herausgegeben. Abo sehr empfehlenswert.
Kompletter Artikel Entspannungstraining
2. Aufbau des Entspannungstrainings
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